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Dead Rising 2

Titel Dead Rising 2

Wenn in der Hölle kein Platz mehr ist, kommen die Toten in das Einkaufszentrum zurück!

Warte, was?!

Story und Spielewelt Story und Spielewelt

Okay, okay, okay, immer langsam. Wir sind doch gar nicht in einem Einkaufszentrum – wir sind in mehreren!

Korrektamundo, Chuck Greene, seines Zeichens Protagonist von Dead Rising 2, der nun mit den abermals hungrigen Untoten zu tun hat, ist doch gar nicht in einem Einkaufszentrum – er ist in mehreren!

Aber alles zu seiner Zeit.

Der Willamette-Vorfall liegt nun schon einige Jahre zurück. Frank West und Isabella Keyes sind zum Symbol für die permanente Bedrohung eines Zombie-Outbreak geworden. Seitdem ist jedoch viel passiert.

Las Vegas, Stadt der Laster und Glücksspielmeile war der letzte große Vorfall nach Willamette, Colorado und hat die USA in einen Zustand permanenter Alarmbereitschaft verwandelt.

Dies hatte mehrere Konsequenzen:

Fortune City ist nun Glücksspielmekka der US-Bürger (existiert in der Realität nicht ;) ) und hat Las Vegas’ Stelle eingenommen. Der Outbreak in Las Vegas hat dazu geführt, dass die Zombies und deren schiere Existenz ein breites Spektrum an Konsequenzen nach sich gezogen hat. Diese wären:

1. Die Bevölkerung hat sich aufgespalten in einen Bereich (den größeren) der die Zombies als seelenlose Bedrohung ansieht und sich an diesen ‘Dingern’ für die Ereignisse in Nevada und Colorado rächen möchte. Aufgrund dieser Tatsache wurde das martialische und äußerst morbide Reality-Game ‘Terror Is Reality’ ins Leben gerufen – überraschenderweise ist neuer Protagonist Chuck Greene ein Teilnehmer dieser Show.

2. Es gelang – auf Basis der Erkenntnise von Isabella Keyes – ein zeitlich begrenztes Gegenmittel herzustellen, dass seit dem Las Vegas Vorfall im Umlauf ist – einmal gebissene Menschen (sofern sie noch Leben) können den Zombifizierungsprozess aufhalten (aber nicht umkehren), wenn sie alle 24 Stunden eine Dosis Zombrex injiziert bekommen.

Wer wurde gebissen und muss nun regelmäßig mit Zombrex versorgt werden? Richtig! Chuck’s Tochter, sein Ein und Alles.

3. C.U.R.E. – wenn man so will eine Bürgerrechtsbewegung, die sich für die Gleichstellung von Zombies ausspricht – erhält mehr und mehr an Boden und wird von Bevölkerung und Regierung mit Argwohn betrachtet.

Dies sind die groben Ausgangspunkte, mit denen sich Chuck Greene konfrontiert sieht.

Er braucht das Geld der ‘Terror Is Reality’-Gameshow in Fortune City Teil um mit seiner Tochter Katey über die Runden zu kommen und sie mit Zombrex zu versorgen.

Ein äußerst gefährliches Unterfangen, besteht TIR doch aus dem Nervenkitzel, mit Motorrädern Zombies umzufahren – wer die meisten Punkte hat, gewinnt! Chuck schwingt sich also auf sein Motorrad, übergibt Katey einstweilen in die Hände des Personals und startet den Motor.

Gameplay Gameplay

An dieser Stelle übernimmt der Spieler die Kontrolle. Man mäht erstmal gemütlich durch einige hundert Zombies, bevor man schließlich mit dem eigentlichen Gameplay konfrontiert wird.

Durch einen unglücklichen Zufall (oder Absicht?) wurden die Zombies, die eigentlich als Schießbudenfiguren für TIR herhalten sollten, frei gelassen. Die schiere Masse an Zombies hat natürlich ein leichtes die fliehenden und panischen Menschen zu überfallen, sich an ihrem Fleisch zu laben und sie zu ihresgleichen zu machen.

Und so, Kinder, hat man eine Zombie-Apokalypse! Die Untoten sind nun also zu Hauf unterwegs, Chuck kann sich mit seiner Tochter Katey und einer Handvoll Überlebenden gerade noch so in den eingerichteten Schutzbunker retten, die Stadt wird abgeriegelt, es braucht 72 Stunden bis das Militär eintrifft um die Überlebenden zu evakuieren und Chuck in’s Gefägnis zu werfen – warte, was?

Ja, Chuck Greene wird die Schuld am Ausbruch der Epidemie gegeben, ihm bleibt also nichts anderes übrig als – will er seine weiße Weste zurück – sich auf die Suche nach entlastenden Beweisen zu machen.

Dies ist die Ausgangsposition, wieso Chuck immer wieder den sicheren Bunker verlassen, Gegenstände sammeln, Fortune City erkunden und Aufträge lösen muss.

Betritt man zum ersten Mal die Royal Flush Mall, fühlt man sich wie sich jeder Angesichts einer Horde von Zombies würde: Schwach, ausgeliefert und irgendwie ist einem schlecht. Zombies so weit das Auge reicht, man traut sich kaum einen Schritt aus dem sicheren Maintenance-Bereich zu unternehmen und zu tun was getan werden muss – Zombies enthaupten, zermatschen, überfahren, teilen, durch die Gegend werfen, elektroschocken, sie umher zu schubsen, Hüte aufzusetzen…

Chuck befindet sich schließlich in einer großen Stadt (grob gesagt 1,5 mal so groß wie Willamette), vollgepackt mit einer schier endlosen Zahl aus Gegenständen, die geradezu darauf warten benutzt zu werden um auf kreative Art und Weise Zombies den Garaus zu machen.

So beginnt man sein Abenteuer damit, zaghaft und behände mit allerhand gefundenen Gegenstanden, die ersten Gegner zu töten und auf Effektivität zu testen.

Eine Schere ist deutlich langsamer und uneffektiver als ein riesiger Regenschirm, das kann ich euch sagen!

Hier setzt auch ein großer Reiz des Spiels ein: Es macht einen Heidenspaß, die speziellen Orte der besten Waffen zu suchen und zu finden, Waffen zu kombinieren (hervorragendes neues Feature) und sich so – gut gerüstet – auf den Weg durch Fortune City zu machen. Man wird sich immer dabei ertappen, die verrücktesten Gegenstände mit sich rumzutragen, nur um zu sehen ob und wie sie sich kombinieren lassen oder wie es denn nun dem Zombie-Haufen da vorne ergeht, wenn ich meine mit Messern versehenen Boxhandschuhe auspacke.

Man wird schnell merken: Umso mehr Zombies ich töte, auf umso originellere Art und Weise, umso schneller wird Chuck stärker. Schon nach einigen Stunden, wird das Gefühl der Hilflosigkeit verschwunden sein, wird Chuck doch mit jedem Levelaufstieg immer talentierter und geschickter darin, die Untoten aus dem Weg zu räumen.

Dies ist wohl der Punkt, den viele kritisieren: Dead Rising 2 ist durchaus anspruchsvoll. RPG-typisch muss man Zeit und Geduld investieren seinen Recken derart gut auf den Kampf vorzubereiten, dass der Sieg am Ende Euch gehört. Im ersten Durchlauf ist dies nur schwer zu meister, es braucht schon 2 Durchläufe um so stark zu sein, dass man mit späteren Endgegnern kaum Probleme hat.

Die sporadisch nutzbaren Savepoints und die stellenweise etwas undynamische Steuerung tun hier ihr übriges um ungeduldige Spieler auf der Nase landen zu lassen.

Dead Rising 2 ist kein Roter-Faden-Spiel. Dead Rising 2 muss erkundet, beleuchtet, fasziniert bestaunt und künstlerisch bewältigt werden. Nur mit Muse und Kreativität, kriegt man Gespür für die besten Waffen, besten Taktiken, wann es Zeit zu speichern ist – und wann nicht. Wer dies jedoch durchhält, wird mit einem extrem befriedigenden Gefühl des ‘Immer-Stärken-Werdens’ belohnt.

Hat man zu Beginn noch Schwierigkeiten einen Survivor in’s Safe Hous zu eskortieren, ist dies später mit 4 oder mehr NPCs im Schlepptau gar kein Problem.

Genau hier setzt auch der große Reiz- und Suchtfaktor ein. Dead Rising 2 ist sehr belohnend. Ihr werdet euch oft dabei ertappen ‘Nur noch einen Survivor’ zu retten ‘Nur noch eine Waffe herzustellen’ um so den nächsten Level zu erreichen oder Auftrag abzuschließen.

Dead Rising 2 spielt sich wie aus einem Guss, es gibt keine genau abgesteckten Missionsziele, ihr könnt entweder jeden Überlebenden retten – oder gar keinen. Ihr könnt euch auf die Story konzentrieren – oder 72.000 Zombies töten. Es gibt keine Atempause, kein Herumstehen und betrachten.

Ihr seid ständig der Gefahr ausgeliefert von Zombies gefressen zu werden. Da bleibt keine Zeit für einen Schaufensterbummel.

Technik Technik

Die Technik ist leider das große Manko des Spiels – denn seit 2006 hat sich eigentlich nichts getan. Charaktermodelle und Bewegungsabläufe sehen fast 1:1 aus, wie die Bewegungen in Willamette. Dead Rising 1 war sozusagen die Vorlage, die nur neu angestrichen wurde. Natürlich ist es immernoch beeindruckend sich mehreren hundert Zombies gegenüber zu sehen, einen kleinen Sprung in 5 Jahren hätte es jedoch geben können. Gerade Animationen sind hölzern, wecken jedoch nostalgische Erinnerungen an den Erstling und tragen so (indirekt) zur Atmosphäre bei.

Der Sound ist auf hohem Niveau, während man sich durch Palisades Mall, Food Court, Atlantica Casino oder Silver Strip bewegt, düdelt die erwartete Muzak aus den Lautsprechern, die eine perfekte Atmosphäre schafft. Während es überall noch Tod und Verderben riecht, sind die Lichter und bonbonfarbenen Geschäfte, zusammen mit der aus Einkaufszentren bekannten Musik untermalten Kulissen ein bittersüßer und zynischer Beigeschmack.

Hier hätte mehr drin sein können, Totalausfall sieht aber anders aus. Erfüllt seinen Zweck und weckt den Dead RIsing typischen Charme, aber ein kleiner Schritt nach vorne, vorallem was Charaktermodelle angeht, wäre fein gewesen.

Mehrspielermodus Mehrspielermodus

Habe ich leider nicht antesten können, Online Co-Op ist aber verhanden!

Fazit Fazit

Manche werden es wissen, für den Rest muss ich es sagen: Dead Rising ist für mich das beste Spiel aller Zeiten. Kaum ein Spiel schafft es, derart originell und eigenständig zu sein. Wieso das so ist? Das weiß’ ich selber nicht genau. Die KI ist störrisch, Zeitdruck und Speichersystem nicht jedermanns Sache, die Story ist gut inszeniert, nimmt aber keine dramatischen Wendungen.

Was hat Dead Rising 2 also, was andere nicht haben? Es hat Herz, Atmosphäre, es hat Spaß und Angst, die ineinander zu fließen beginnen. Irgendwann sieht man keine lebensgefährlichen Fleischfresser mehr, sondern Party-Hut-Träger. Keine Gefahr, sondern eine Horde aus Versuchskaninchen.

Dead Rising 2 basiert sehr stark auf seinem Vorgänger, hat dessen Stärken und Schwächen, schafft es aber ein bisschen stärker – leider auch ein bisschen schwächer zu sein.

Die Technik ist leider wirklich nicht mehr zeitgemäß, dafür können Kombinations-Option und Setting punkten.

Deshalb kann ich nur sagen: Dead Rising 2 ist marginalst (!) schlechter als sein Vorgänger, ist im Grunde nur ein Neu-Anstrich des Erstlings, aber genau das ist es, was ich wollte. Keine Experimente, sondern ein gelungene, stimmige, atmosphärisch dichte Wundertüte, gefüllt mit Bonbons und Zombies.

Und genau das ist es, was ich bekommen habe!

Wer eine Mischung aus Resident Evil, Dawn of the Dead und Ocarina of Time haben möchte, der ist hier bestens bedient. Jeder, der sich hierauf einlässt und etwas mit der Thematik anfangen kann, bekommt eines der Spiele seines Lebens serviert – als Schlachtplatte!

Wertung: 10

Testomat Erstellt über unseren Testomat von XanderHarris.