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Alice: Madness Returns

Titel Alice: Madness Returns

Als Lewis Carroll 1865 das Kinderbuch Alice im Wunderland und kurz darauf einen Nachfolger veröffentlichte hätte er niemals ahnen können was für einen Wirbel seine Geschichte bis heute auslöst. Vom Disneyfilm über einen Kinoblockbuster bis hin zu zwei Spielen, von denen ich hier auf das zweite näher eingehen will. Der erste Teil American McGee’s Alice liegt allen Versionen als HD-Neuauflage in Form eines DLC-Codes bei, kann aber storytechnisch und qualitativ gesehen getrost ignoriert werden.

Der Test bezieht sich auf die PS3-UK-Fassung, die übrigens komplett auf deutsch ist.

Story und Spielewelt Story und Spielewelt

Die Story hält sich glücklicherweise eng an die Buchvorlagen. Das heißt nicht zwingend, dass man die Klassiker gelesen haben muss um alles zu verstehen, aber manche Stellen erklären sich deutlich besser und wirken weniger verworren. Es geht im Spiel darum, dass Alice den Tod ihrer Eltern immer noch nicht verkraftet hat. Sie macht sich selbst Vorwürfe, dass sie Schuld am Unglück ist und ist dadurch derart traumatisiert, dass sie in eine Londoner Psychiatrie eingewiesen und von Dr. Bumbly betreut wird.

Irgendwann nach eine der Therapiestunden entdeckt Alice eine auffällige weiße Katze, der sie folgt und dabei auf eine alte Krankenschwester trifft, die Geld von ihr erpressen will. Im selben Moment kehren ihre Visionen zurück und befördern sie zurück ins Wunderland. Dort trifft sie zuerst auf die Grinsekatze, die Alice von der drohenden Zerstörung des Wunderlandes erzählt und so geht das Abenteuer erneut los.

Gameplay Gameplay

In insgesamt 6 Kapiteln versucht ihr nun mit Alice die Katastrophe aufzuhalten. Jedes Kapitel ist hierbei thematisch völlig unterschiedlich und beschreibt eine andere skurrile Vision. Im Laufe des Abenteuers könnt ihr jede Menge Erinnerungen sammeln. Diese Erinnerungen beschreiben die Hintergründe der Geschichte aus der Sicht verschiedener Personen aus Alice Bekannten- bzw. Familienkreis. Herumliegende Zähne werden als eine Art Währung benutzt. Ihr könnt damit erworbene Waffen immer weiter aufstufen und so ihre Durchschlagskraft drastisch verbessern.

Alice: Madness Returns ist aufgebaut als Action-Adventure mit Schwerpunkt auf Jump’n Run Elementen. Meist gilt es viele Plattformen zu überwinden. Oft noch verbunden mit Schalterrätseln, die z.B. manche Bereiche nur kurz betretbar machen. Es gibt aber noch Hebel und andere Schalter. Für Abwechslung ist gesorgt. Dazwischen trefft ihr immer wieder auf Schergen des Puppenmeisters oder auch der Herzkönigin, die ihr besiegen müsst. Die Hack’n Slay Kämpfe gehen locker von der Hand und sind auf dem normalen Schwierigkeitsgrad nur selten eine Herausforderung. Wers härter möchte kann aber von vier Schwierigkeitsgraden auch den höchsten nehmen und wird das ein oder andere mal ziemlich gefordert werden.

Auch bei den vielen Hüpfpassagen hat man Alice stets gut im Griff, was auch daran liegt, dass sie bis zu drei Sprünge nacheinander machen und sogar schweben kann. Ein kleiner Wermutstropfen ist, dass sie nicht in der Lage ist, sich an Kanten festzuhalten. Aber das wäre meckern auf hohem Niveau. Frustmomente bleiben glücklicherweise auch aus, da man immer sofort vor der Stelle wieder anfängt, an der man gestorben ist.

Technik Technik

Alice: Madness Returns ist ein grafisch sehr hübscher Titel. Das muss man einfach so feststellen wenn man sich die unterschiedlich gestalteten Kapitel und all die Charaktere anschaut. Alles ist sehr liebevoll gestaltet und oft außerordentlich skurril. Ich denke allein über das im wahrsten Sinne des Wortes fantastische Setting könnte man sich lange auslassen. So etwas abgedrehtes und in sich verwickeltes hab ich auf dem Bildschirm noch nie gesehen. Welten, die man kaum zu träumen wagt sind hier entstanden.

Da fragt man sich tatsächlich ob an den Gerüchten etwas dran ist, dass schon die Ideen zu den Büchern mit Hilfe hallozinogener Substanzen entstanden sind. Man weiß es nicht, aber Entwickler Spicy Horse hat aus dem Stoff ein faszinierendes Spiel gezaubert und es technisch sehr sauber hinbekommen. Bis auf wenige Ausnahmen sehr detailierte Texturen, die wohl schönsten wehenden Haare der Videospielgeschichte und eine erstklassige Vertonung runden den positiven Gesamteindruck ab.

Fazit Fazit

Ein sehr gutes Spiel, was Spicy Horse da in Zusammenarbeit mit American McGee entwickelt hat. Technisch absolut sauber und teilweise richtig beeindruckend kann es auch spielerisch überzeugen und ist für ein Action-Adventure erfreulich groß. Eingängige Steuerung, ein (sorry für die Wortwahl) abgefahren geiles Setting und die sehr gute Vertonung schließen den Kreis. Nur manchmal wiederholen sich bestimmte Abschnitte und sorgen kurzfristig für etwas Langeweile, was allerdings nicht schwer ins Gewicht fällt. Kaufempfehlung meinerseits! Hier noch Pro und Contra im Kurzüberblick:

Pro:

+ Einzigartiges und stimmiges Setting
+ Interessante und fantasievolle Geschichte
+ Zum Teil äußerst gute Grafik
+ Keine Frustmomente durch viele Checkpoints und sofortiger Wiedereinstieg an der Stelle, an der man gestorben ist
+ Präzise und eingängige Steuerung
+ Ordentlicher Umfang
+ Sehr gute deutsche Vertonung

Contra:

- Manche Passagen wiederholen sich etwas oft
- Einige Texturen sind matschig
- Vorgänger als DLC nette Idee, aber einfach zu schlecht

Wertung: 8.5

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