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Uncharted 3: Drake's Deception

Titel Uncharted 3: Drake’s Deception

Nathan Drake hat schon das ein oder andere Abenteuer hinter sich. Seit etwa 4 Jahren macht der moderne Indiana Jones die Playstation 3 unsicher. Nachdem Teil eins schon allgemeinen Anklang finden konnte, schlug der direkte Nachfolger, Among Thieves, ein wie eine Bombe. Eine bis dahin ungeahnte Grafikpracht zeigte eindrucksvoll, wozu Sonys Kiste bei richtiger Programmierung in der Lage ist. Aber nicht nur Technisch konnte Teil 2 überzeugen, auch Umfang, Spielbarkeit und Inszenierung suchten ihresgleichen. Dazu gab es mit Nathan Drake noch einen überaus sympathischen Charakter, welcher nicht nur lässig und lustig, sondern allem voran menschlich wirkte. Dazu trug zum einen die tolle Synchronisation, vor allem aber die Animationen bei. Alles wirkte wie aus einem Guss, immer wieder musste man erstaunt feststellen, dass man gar nicht mehr in einer Zwischensequenz steckt sondern mitten im Geschehen.
Endlich stellt sich Drake’s Deception, so der Untertitel des dritten Teils, zum Test. Die große Frage ist: kann naughty Dog den phänomenalen zweiten Teil toppen? Für die Antwort braucht ihr nicht in die Wüste fliegen, sondern einfach nur runter scrollen.

Story und Spielewelt Story und Spielewelt

Nachdem El Dorado unsicher gemacht worden ist und die Quelle ewiger Jugend entdeckt wurde, macht sich Nate diesmal auf die Suche nach einer sagenumwobenen Stadt, welche auch “Atlantis der Wüste” genannt wird. Auf den Spuren von T.E. Lawrence, der vielen von euch aus dem grandiosen Film “Lawrence of Arabia” bekannt vorkommen dürfte, stürzt ihr euch Hals über Kopf in ein gefährliches Abenteuer.
Naughty Dog liess schon früh durchblicken, dass ihr es diesmal mit einer deutlich persönlicheren Story zu tun bekommt, und dieser Ansatz wird auch zum Teil erfüllt. Ihr erlebt zum Besipuiel das erste Treffen von Nate mit seinem Mentor Victor Sullivan vor 20 Jahren. Auch spielt Nates Ring, welchen er seit dem ersten Teil um den Hals trägt, eine wichtige Rolle. Das war es dann aber auch schon mit den tiefgehenden Persönlichkeitsoffenbahrungen des Drake, eigentlich geht es wieder darum, schneller bei dem tollen Schatz anzukommen als die Bösewichte. Man erfährt zwar einiges aus Drakes Vergangenheit, aber so viel wie erst angenommen ist es dann doch nicht. Und das ist auch gut so, denn genau so funktioniert die Story rund um die Abenteurer eben am besten. Apropos Bösewicht: Die neue Gegenspielerin von Nathan und seiner Truppe ist Engländerin und hört auf den klangvollen Namen Katherine Marlowe. Sie ist besessen von der verborgenen Stadt und schreckt vor nichts zurück, um ihr Ziel zu erreichen, was ihr ein ums andere Mal erleben dürft. Über ihre Motive bleibt man aber im ungewissen, sie ist eben der böse Part in dem Game und das war es.
Um Drake sammeln sich einige bekannte Gesichter, mit denen er Teile des Abenteuers bestreiten darf, nur selten seit ihr wirklich alleine unterwegs. Leider bleiben einige Charaktere nach einiger Zeit fern, aus verschiedenen Gründen zwar, aber trotzdem kommt es einem komisch vor, wenn man sich mit jemandem durch Dick und Dünn kämpft, und dieser jemand dann nicht mehr auftaucht und nur nebenbei einmal erwähnt wird. Allgemein sind jedoch alle Charaktere wirklich toll und handeln so gut wie immer glaubwürdig. Man nimmt jedem sofort ab, was er da tut, und dass ist das wichtigste beim erschaffen fiktiver Charaktere.
Die Settings sind wie im Vorgänger sehr abwechslungsreich und toll präsentiert. Ihr kämpft in London gegen jede Menge Schläger, rätselt euch durch alte Höhlen, erklettert ein Schloß in den Wäldern von Paris oder überfallt einen Konvoi mitten in der Wüste. Hier sind wir im Übrigen schon beim Zentralen Element der Spielewelt von Uncharted 3: die Wüste. Teil eins stand für geniale Wasser-Animationen, in Teil 2 sah man wunderschönen Schnee, und diesmal haben sich die Entwickler dran gemacht, Wüstensand möglichst schick zu gestalten. Genau das gelingt auch wunderbar, ihr bekommt ein echtes Feeling für die heißen Schauplätze. Die Settings sind sicher Geschmackssache, ob sie euren persönlichen Geschmack treffen können wir nicht sagen, jedoch sind sie alle genial präsentiert. Nur einer der Höhepunkte ist ein riesiges Schiff, welches durch den hohen Wellengang enorm ins Schwanken gerät. Und das komplette Innenleben des Schiffes gleich mit. Physik-Spielerei vom feinsten.
Unterm Strich kann man sagen, dass die Story und Spielewelt in Uncharted 3 sehr gelungen und nachvollziehbar ist. Ihr solltet zwar kein schwergewicht alla Bioshock oder The Darkness erwarten, jedoch schlägt Drakes Deception andere Games mit ähnlichem Setting auf jeden Fall. Vor allem die Charaktere, allen voran Nate und Sully, werden euch viel Spaß bereiten.

Gameplay Gameplay

Das Gameplay hat sich im Vergleich zu den beiden Vorgängern wenig verändert, nur die Gewichtung ist etwas anders. Es gibt 3 Kernelemente, nämlich Kämpfen, Geschicklichkeit und Rätsel. Die Kämpfe sind nun deutlich Nahkampf-Lastiger, wodurch einiges an Dynamik dazu kommt. Es reicht nicht mehr aus, einfach nur einen Gegner im laufenden Gefecht zu schnappen und ihn drei mal zu schlagen, um ihn auszuknocken. Ihr müsst kontern, ausweichen und könnt auch die Umgebung einsetzen. So könnt ihr eurem Gegner zum Beispiel eine Flasche über den Kopf ziehen oder ihn mit einem Schraubenschlüssel verprügeln. Doch vorsicht, sind andere Gegner in der Nähe, so haben diese keine Skrupel, euch mit Kugeln voll zu pumpen. Ihr solltet also immer überlegen, ob ihr in den Nahkampf geht. Außer natürlich in den Passagen, in denen ihr vom Spiel aus keine Waffen zur Hand habt.
Die Schießereien funktionieren ähnlich wie in Gears of War 3, jedoch ist Nathan Drake deutlich flotter unterwegs als Marcus Fenix, dafür sind aber auch Drakes Gegner sehr gut zu Fuß. Die Kerle flankieren euch, fallen euch in den Rücken und werfen ständig Granaten, die ihr jetzt auch endlich zurück werfen könnt. Leider funktioniert das nicht immer, oft ist es mir passiert, dass Nate die Granate gegen die Wand schleuderte, hinter der man Deckung gesucht hat. Zum Ende hin werden die Schießereien teilweise sehr nervig, da die Feinde von allen Seiten auf euch einstürmen und teilweise ein Schuß reicht, um euch niederzustrecken. Einige Gegner sind zudem extrem stark gepanzert uns schlucken gerne mal mehrere Magazine. Nicht gerade hilfreich ist es dann, wenn man in einem Nahkamf ist und panisch versucht, diesem zu entkommen, es aber nicht schafft. Wenn dann aus dem Hintergrund noch eine Panzerfaust auf euch abgefeuert wird habt ihr wenig Überlebenschancen. Oft segnet man deshalb schon auf den leichteren Schwierigkeitsgraden das Zeitliche. Wirklich frustig wird es aber nicht, da es sehr faire Rücksetzpunkte gibt und außerdem keine Ladezeiten nach eurem Ableben. Quasi das genaue Gegenteil zu Duke Nukem Forever. Die Shootouts sind leider der schwächste Part des Games, und leider sind sie wieder häufiger vertreten als in Teil 2.
Die Geschicklichkeitseinlagen bestehen aus Passagen, in denen ihr möglichst schnell einer Gefahr entkommen müsst und aus den beliebten Klettereien. Bei den Flucht-Passagen geht es teilweise richtig ab, immer wieder klappte uns beim Testen der Kiefer runter, wenn zum Beispiel ein riesiger turm hinter euch einstürzt und ihr nur knapp davon kommt. Diese Passagen sind leider nicht ganz so ausgereift wie in Teil 2, öfters müsst ihr Sequenzen neu starten, weil ihr irgendwo hängen bleibt oder Ähnliches. Das spricht jedoch nur für die Perfektion von Teil 2, denn so genial wie da gab es solche Sequenzen nirgendwo sonst, eben auch nicht im direkten Nachfolger. Die Kletterpassagen sind wieder einfach nur atemberaubend schön. Teilweise müsst ihr in schwindelerregender Höhe durch die Gegend kraxeln, immer wieder bricht was zusammen, und ihr merkt richtig, wie sehr Nate an seinem Leben hängt. Auch sind die Kraxeleien nicht so leicht wie etwa in Enslaved, im Gegensatz zu Monkey kann Nate nämlich sehr wohl in den Tod springen, wenn ihr nicht aufpasst. Die Häufigkeit der Kletterpassagen liegt in etwa auf dem Niveau des Vorgängers.
Drittes Gameplay-Element sind die Rätsel, und hier hat Naughty Dog ordentlich zugelegt. Immer wieder müsst ihr euch echten Kopfnüssen stellen, nie ist etwas unfair, aber die Lösung läuft euch auch nicht einfach so zu. Genau so soll es ein. Bravo!
Hin und wieder gibt es auch kleine sequenzen, welche alles auflockern, wie etwa das Entern eines Konvois per Pferd.

Leider ist die Aufteilung des Gameplays nicht so optimal wie im zweiten Teil. In der ersten Hälfte klettert und rätselt ihr hauptsächlich. Später gibt es fast keine Kopfnüsse mehr und ihr ballert euch fast nur noch durch die Kulisse. Wirklich Schade, denn grade die Balance war bei Among Thieves so motivierend. Immer wenn man die Nase voll hatte vom Klettern kam plötzlich eine Schießerei oder ein Rätsel usw. Diesen Perfekten Punkt verfehlt Teil 3 leider knapp.
Beim Umfang gibt es wenig zu meckern. Für ein lineares Action-Adventure sind stattliche 9-11 Stunden auf dem leichteren Schwierigkeitsgrad super, außerdem könnt ihr noch jede Menge Schätze sammeln. Optionale Lösungswege oder ähnliches gibt es nicht, uncharted ist streng linear, was bei einem solchen Game aber auch sein muss!

Technik Technik

Die Technik war schon immer Aushängeschild der Reihe, und das ändert sich auch mit dem dritten Teil nicht. Die Schauplätze sind unglaublich liebevoll und detalliert gestaltet, alles wirkt organisch und wie aus einem Guß, und wenn dann noch kleine Physik-Spielereien dazu kommen, bleibt euch der Mund offen stehen. Einen so großen Schritt zum Vorgänger gibt es zwar nicht, aber dieser sieht eben auch heute noch abartig genial aus. Jede Textur ist schön modelliert, es gibt keine Clongegner und die Weitsicht ist atemberaubend. Wenn dann noch ein komplettes Haus um euch herum abbrennt und das Feuer sich lebensecht an den Wänden entlang schlängelt ist klar: Viel mehr ist in dieser Konsolengeneration nicht mehr drin. Toll ist dabei, dass Uncharted eine sehr saubere Technik hat. Tearing ist ein absolutes Fremdwort, ebenso tauchen Ruckler fast nie auf. Leider gab es beim Test einige kleine Grafik-Fehler, vor allem in der extrem aufwändigen Mission auf einem riesigen Schiff. Hier färbte sich plötzlich der gesamte Ozean rot und Gegner hatten plötzlich nur noch Köpfe und Arme. Das war aber ein absoluter ausnahmefall und war wohl eher unglücklicher Zufall, bei einem anderen Testdurchgang ist selbiges nämlich nicht passiert. Die Wüstenabschnitte, welche man vorher im Trailer schon sehen konnte, sehen nebenbei unfassbar aus. Grade hier sollte man erwarten, dass man eher mit Langeweile zu tun hat, da eben so eine Wüste nicht viele Supermärkte und Spielplätze beinhaltet. Aber die Entwickler haben es geschafft, eine optisch so überwältigende Sandhölle zu zaubern, dass ihr unweigerlich Durst bekommen werdet. So brilliant wurde dieses Szenarion nicht mal ansatzweise irgendwo dargestellt!

Die Animationen sind klar eine klasse für sich. Nicht nur das sie enorm flüssig sind, sie sind auch lebensechter als in jedem anderen Spiel. Nathan ist richtig schwerfällig, tapsig, und man erkennt immer wieder etwas neues. Wenn er etwa durch die Wüste stapft sieht das deutlich anders aus als wenn er durch die Londoner Gassen sprintet. Es wirkt einfach enorm sympathisch, wenn Nate eher wie ein tollpatsch durch die Levels hopst. Immer wieder verdreht man die Augen, wenn er versucht, irgendwo hochzuklettern, etwas zusammenstürzt und Nate lauf fluchend auf den Boden aufknallt.

Der Ton ist sehr direktional und kracht ordentlich, an Referenztitel wie Dead Space oder Battlefield 3 kommt er aber nicht heran. Wirklich schade ist noch, dass die wirklich geniale Musik eher selten zum Einsatz kommt. Einige Stücke bleiben einem stundenlang im Ohr, immer wieder gibt es passende Klängen und alles wirkt sehr stimmig. Absolut vorbildlich: Man kann im Menü einstellen, welche Sprache man hören will, und unabhängig davon die Untertitel einstellen. Wollt ihr lieber alles auf deutsch haben? Kein Problem. Oder lieber eine englische Tonspur, aber deutsche Untertitel? All das benötigt nur einen kurzen Ausflug ins Menü. Womit wir nebenbei auch schon bei der Synchronisation sind. Diese ist sehr gelungen, alle deutschen Sprecher sind motiviert und passend. Und außerdem sind alle sprecher absolut Lippensynchron, was bei Games mit deutscher Sprachausgabe ja leider immer noch die Ausnahme ist. Wir empfehlen aber trotz der tollen deutschen vertonung die Originale Synchronisation, weil diese einfach genial ist. Vor allem Nate ist im original unverwechselbar cool.
Hin und wieder gab es Tonaussetzer, diese allerdings auch in dem Kapitel auf dem Schiff. Anscheinend gab es bei diesem Abschnitt ein paar kleinere Probleme. Die Tonaussetzer waren aber extrem selten und auch nicht bei jedem durchgang vertreten.

Die Technik ist insgesamt mit Sicherheit mit das Beste, was es auf Konsolen zu kaufen gibt und dürfte zusammen mit Killzone 3 und Gears of War 3 zu den letzten Höhepunkten dieser Gen zählen. Viel mehr wird nicht drin sein.

Mehrspielermodus Mehrspielermodus

Den Multiplayer-Modus konnten wir leider noch nicht testen. Uncharted ist aber seit jeher eine Reihe, die klar den Schwerpunkt auf den Singleplayer-Modus setzt, und das wird auch im dritten Teil nicht anders sein. Es gibt einen Koop-Modus, welchen ihr auch per Splitscreen an einem TV spielen könnt. Die Koop-Missionen sind spaßig, haben jedoch nichts mit dem Hauptspiel zu tun. Dieses kann im Übrigen nur alleine gespielt werden.

Fazit Fazit

Uncharted 3: Drake’s Deception ist ein brilliantes Spiel geworden, welches ein unfassbar schweres Erbe antritt: Es muss sich mit einem der besten Games aller Zeiten messen, dem direkten Vorgänger Among Thieves. Grafisch hat der Dritte Teil die Nase noch mal ein Stück weiter vorn, und einige Passagen sind einfach atemberaubend. Dazu bewegt sich Nate dermaßen genial durch die Levels, dass man ihn einfach lieb haben muss. Leider stimmt die Balance nicht mehr so gut wie im Vorgänger, und die Schießereien sind leider nicht immer spaßig. Außerdem gab es im Vorgänger mehr erinnerungswürdige Momente, welche mich gepackt haben. Auch sagte mir das Setting im zweiten Teil mehr zu, aber das ist völlig subjektiv, daher steht es auch nur hier im Fazit. Man soll das Game ja nicht nur als Nachfolger sehen, sondern auch als alleine stehenden Titel. Und da kommen wir ganz klar zu einem eindeutigen Ergebnis: Das Beste PS3-Game, welches ihr euch in diesem Jahr zulegen könnt, heißt ohne Frage Uncharted 3: Drake’s Deception. Lasst es euch nicht entgehen!!!

+ Geniale Grafik
+ Tolle Präsentation
+ Sympathische Charaktere
+ Lebensechte Animationen
+ Abwechselungsreiche Settings

- Schießereien nicht immer spaßig
- Balance zwischen den Spielelementen nicht so gut wie bei Teil 2


Wertung: 9.5

Testomat Vielen Dank an dieser Stelle an Sony Computer Entertainment Deutschland, welche uns freundlicherweise das Testexemplar zur Verfügung gestellt haben!
Testomat Erstellt über unseren Testomat von carstor (Team).