Testomat

Gears of War 3

Titel Gears of War 3

Gears of War 3 ist der erste Titel der Reihe, welcher offiziell in Deutschland erscheint. Mit Sicherheit war diese News eine der überraschendsten in diesem Jahr, wenn man sich für Gaming interessiert. Die beiden Vorgänger wurden aufgrund der überzogenen Gewalt nicht mit einem USK-Siegel ausgestattet und später von der BpJM indiziert, was aber auch die wenigsten überrascht hat, ist doch die bekannteste Waffe ein Maschinengewehr mit aufgesetzter Kettensäge. Direkt gab es jede menge Gerüchte; Wird das Game geschnitten? Oder Wurde gar die BpJM bestochen? Ersteres Gerücht stimmt nicht, Gears 3 ist in Deutschland zu 100% uncut, und dass die BpJM bestochen wurde halten wir schlicht für Blödsinn.
Aber hier soll es nicht um den Jugendschutz und die Freigabe gehen, sondern um das Action-Spektakel, welches sich nun glücklicherweise auch in deutschen Kaufhäusern findet. Wie ist der Abschluß der Trilogie geworden? Konnte Epic noch eine Schippe draufpacken oder ist alles nur ein lauer Aufguss? Wird Carmine überleben? Und wie schaut es mit den Multiplayer-Modi aus, allen voran natürlich Beast und Horde? Antworten findet ihr im Test! Bis auf die Frage mit Carmine, das müsst ihr schon selber heraus finden.

Story und Spielewelt Story und Spielewelt

Der Planet Sera ist nun endgültig am Ende! Nach Jahrzehnten der Kriege rund um die Treibstoffähnliche Flüssigkeit Emulsion griffen irgendwann die Locust an, welche die Menschen an den Rand der Vernichtung getrieben haben. Am Ende von Teil 2 blieb den Menschen nur noch eine Verzweifelungstat, durch welche die Locust ausgelöscht werden sollten. Dies hat leider nicht ganz so geklappt wie geplant, und nun sind die Menschen nur noch daran interessiert, überhaupt zu überleben. An einen Kampf gegen die Feinde ist eher nicht zu denken, kann man doch kaum die Versorgung mit Nahrungsmitteln gewähren. Dazu kommen noch neue Gegner, die Lambent, in der Deutschen Fassung schlicht mit “Die Leuchtenden” betitelt. Diese sind mutierte Locust, welche vor ihrem Ableben explodieren und die noch aggressiver vorgehen als die Locust, welche eher auf Guerilla-Taktiken setzten. Doch es keimt neue Hoffnung auf, als Markus Fenix eine Nachricht seinen Vaters empfängt, der für tot gehalten wurde. Angeblich hat er ein Heilmittel gegen die Lambent. Es gibt also endlich wieder einen Grund für das Delta-Squad, zu den Waffen zu gehen.
Die neuen Gegner bringen auch gleich eine neue Stimmung mit sich. Die Menschen sind nur noch auf vereinzelte Stützpunkte zurück gezogen, Hunger und Krankheiten sind großes Thema. Aber auch die Locust sind nicht mehr so mächtig wie vorher, auch diese tragen oft nun noch Fetzen anstatt Rüstungen und sie bauen neue Waffen aus gefundenem Zeug. Hierdurch wird eine sehr endzeitliche Stimmung hergestellt. Man merkt die gesamte Zeit über: Wenn das Spiel zu Ende ist, wird es nicht mehr viel zu kämpfen geben. So oder so.
Ein weiterer Faktor ist noch Dominic Santiago, bester Freund von Hauptcharakter Marcus fenix. Wer den Vorgänger gespielt hat weiß, was er alles ertragen musste. Diese Auswirkungen bemerkt man. Dom ist gebrochen und hat eigentlich nichts mehr, wozu es sich zu leben lohnt. Ihm gehören einige der besten Momente im Spiel.

Die Story in Gears 3 kommt erstaunlich stimmig rüber, zumindest für diese Art Spiel. Eigentlich steuert ihr hochgezüchtete Testosteron-Muskelpakete, welche sich durch Gegnermassen sägen, was man schwer wirklich ernst nehmen kann. Umso überraschender, dass ihr mit den Leuten mitfühlt und es sogar den ein oder anderen Gänsehaut-Moment gibt. Das hat Epic dadurch hinbekommen, dass euch Team Delta bisher begleitet hat und jeder einen zwar überzogenen, aber trotzdem eigenständigen Charakter hat. Dazu gibt es noch einige Momente, in denen ihr merkt, was die Menschen verloren haben. Cole Train zum Beispiel hat hier einen sehr emotionalen Moment, was besonders gut passt, da er eigentlich immer nur der Sprücheklopfer war. Umso erstaunlicher, ihn am Boden zu sehen.

Die Geschichte ist im Allgemeinen sehr gut gelungen, alles wirkt stimmig und vor allem die genialen Zwischensequenzen werfen euch mitten ins Geschehen. Dazu gibt es einige emotionale Momente. Wer im Übrigen Angst hatte, dass die Locust jetzt zu nebenbösewichten degradiert werden und die Lambent die Hauptrolle einnehmen, den kann ich beruhigen. Die Locust sind immer noch die am meisten vertretenen Gegner.

Die Story hat nebenbei auch einige surreale Momente, welche ich euch aber nicht vorweg nehmen will. Nur so viel: Wenn sich um euch herum Gebäude auf und wieder abbauen und alle Gegner in Rauch aufgehen, staunt man nicht schlecht. Sowas hatte man bei Gears gar nicht erwartet.

Gameplay Gameplay

Das Gameplay ist wie bei den beiden Vorgängern klar auf gnadenlose Action ausgelegt, alles mit einem tollen deckungs-Feature. Auf knopfdruck springt euer Charakter hinter Mauern oder Ähnliches und ihr seit vor Feindbeschuss sicher. Mit einer Schultertaste zielt ihr dann aus der Deckung, um blaue Bohnen zu verteilen, welche die schlauen KI-Gegner niederstrecken. Wie üblich könnt ihr auch ohne zu zielen über die Deckung hinweg feuern, was vor allem etwas bringt, wenn ihr fast überrannt werdet. Das Deckungsfeature funktioniert wie nicht anders zu erwarten grandios, ihr bekommt so gut wie nie irgendwelche Probleme, bei denen ihr etwa nicht die passende Deckung anspringt oder ähnliches. Man merkt, dass das Deckungsfeature das Wichtigste Element im Spiel ist, so gut wie es funktioniert. Ihr seit grundaätzlich mit eurem Team unterwegs, was auch vor allem da dran liegt, dass ihr die gesamte Kampangne zu viert angehen könnt. Ab und an teilt ihr euch auf, um etwa Bereiche von zwei Punkten aus anzugreifen.
Durch die neuen Gegner, die Lambent, müsst ihr taktisch ein wenig umdenken. Diese Monster versuchen euch immer wieder in den Nahkampf zu bringen, was vor allem dann gefährlich wird, wenn sie nach ihrem Ableben explodieren. Sowas reißt euch ganz schnell von den Socken. Keine Sorge, ihr dürft trotzdem die Kettensäge des Lancer-Gewehres nutzen. Solltet ihr diese an einen Lambent ansetzen, so sägt Marcus den Gegner nur an, um ihn dann cool in die Gegner-Horden zu treten, wo er möglicherweise sogar noch einige monster mit in den Tod reißt. Das sieht nicht nur lässig aus, sondern ist auch noch praktisch.
Hin und wieder steigt ihr auch in einen mächtigen Mech, genannt Silverback, ein. Diese Sequenzen sind selten, da ihr die Gegner so problemlos reihenweise weg pustet. Doof: Um Raketen abschießen zu können müsst ihr den Silverback befestigen. Dann kann er sich aber nicht mehr bewegen und ist dem Feindfeuer hilflos ausgesetzt. daher nutzt ihr fast nur das Maschinengewehr.
Einige Neue Waffen gibt es auch, wie zum beispiel den Retro-Lancer, welcher ein Bajonett aufgeflanscht hat.
Es gibt im Übrigen auch wieder jede Menge Boss-Kämpfe, leider sind diese nicht immer super. Vor allem ein Kampf wirkt zwar optisch genial, jedoch ist er spielerisch ein Witz.
Wie im Vorgänger gibt es wieder einige Railshooter-Sequenzen, jedoch weniger als zum Beispiel bei der Rail-Shooter-Orgie Killzone 3. Zur Auflockerung sind diese sehr geeignet, jedoch wird die Genialität der “Ich Fliege mit einem Locust über einen genial gestalteten Wald”-Sequenz nicht erreicht.
Das Gameplay bietet leider wenig neues und kann auch mittlerweile nach dem dritten Teil langweilig werden. Durch die neuen Gegner wird jedoch wieder ein wenig veränderung mitgebracht.
Der Umfang geht völlig in Ordnung. Etwa 10 Stunden braucht ihr beim ersten Durchgang sicher, wobei ihr noch allerhand Kram einsammeln könnt. Zu einem zweiten Durchgang motivieren die wenigen Stellen, an denen man zwischen zwei Wegen wählen darf, jedoch nicht. Zu gering sind die Unterschiede, und oft seit ihr nur in leicht verschiedenen Räumen unterwegs. Zum Glück gibt es noch den Multiplayer, welcher die Spielzeit erheblich erweitert.

Technik Technik

Die Technik von Gears of War 3 ist phänomenal, alleine die Inszenierung ist auf einem unfassbar hohen Niveau. Schon Teil eins und zwei standen für superbe optik, und Gears 3 setzt da noch einen drauf. Überall kracht und wummst es, dazu sehen die Charaktere einfach genial aus und wirken sehr lebensecht. Die Levels sind eines der Highlights der Grafik. Immer wieder staunt ihr über die genialen Effekte, welche euch Epic da um die Ohren haut. Wenn ihr in einem riesigen Sturm unterwegs seit und dessen Blitze alles erhellen, staunt ihr nicht schlecht. Dazu gibt es keine Ruckler oder Tearing, selbst in den größten Momenten mit jeder Menge Kawumm bleibt alles Butterweich. Hier hat Epic wirklich ganze Arbeit geleistet.
Auch der Sound steht dem genialen technischen Eindruck in nichts nach. Ihr könnt, das nötige Equipment vorausgesetzt, jeden Gegner orten und die Kugeln zischen euch nur so um die Ohren. Dazu hat euer Subwoofer ordentlich zu tun, was eure Nachbarn zur Verzweiflung treiben sollte. Aber hey, es geht schließlich um das Schicksal der Menschheit!

Abzüge gibt es ganz klar für die deutsche Lokalisierung. Die Stimmen passen zwar und sind recht ordentlich, mehr als mittelmaß dürft ihr aber sicher nicht erwarten. Dazu ist die Abmischung der deutschen Stimmen wenig gelungen. Nur selten läuft die Sprachausgabe auf deutsch auch wirklich lippensynchron. Die Abmischung ist aber nicht mehr so schlimm wie in Teil 1, trotzdem fragt man sich, wieso bei einem solch teuren Projekt nicht mal auf die Synchronität der Libbenbewegngen geachtet wird.

Das ändert aber nichts an dem Gesamteindruck, denn rein Optisch ist Gears ohne Frage das beste, was ihr auf einer Xbox360 bekommen könnt. Mit uncharted 3 sicher das schönste Spiel auf Konsole bisher.

Mehrspielermodus Mehrspielermodus

Der Multiplayer teilt sich in zwei Bereiche auf: VS und Koop. Im VS-Modus spielt ihr normale Gefechte wie Team Deathmatch oder Capture the Flag, alles ohne Fahrzeuge und in Vierer-Teams. Wenn euch die Spielmechanik der Kampangne zusagt, so könnte der VS-Modus was für euch sein, das Deckungs-Feature klappt genau so gut und die vielen abgefahrenen Waffen bringen Abwechselung in die ganze Sache. Allerdings läuft alles sehr lahm ab, einen Hochgeschwindigkeits-Shooter wie den von Call of Duty dürft ihr natürlich nicht erwarten.
Herzstück des Multiplayer ist aber klar der Koop-modus. Wie im Vorgänger gibt es den beliebten Horde-Modus, welcher ordentlich aufgemöbelt wurde. Ihr schließt euch in einem Team zusammen, welches aus bis zu fünf Mitspielern besteht. Dann kommen 50 wellen von Gegnern auf euch zu, wobei jede Welle stärkere Gegner beinhaltet. Die ersten paar Wellen könnt ihr noch im Alleingang bewältigen, doch irgendwann müsst ihr euch verschanzen und genau absprechen, sonst habt ihr keine Chance. Zum Glück gibt es für jeden Abschuss eines Gegners Geld, welches ihr zwischen den Wellen in verschiedene Festungs-Upgrades investieren könnt. Stacheldraht verlangsamt die Gegner, Selbstschussanlagen halten euch die Gegner vom hals und wer richtig viel Kohle sammelt, der kann mit einem Silverback die Horden der Gegner dezimieren. Mit der Zeit könnt ihr auch bessere Sachen kaufen bzw. upgraden, so wird aus popeligem Stacheldraht eine Laserbarriere und aus einem leichen Verteidigungs-Geschütz wird ein mächtiges Maschinengewehr. Der Horde-modus wird spätestens ab Welle 30 ziemlich heftig, und wer alle 50 Wellen schaffen will, der muss sich schon ranhalten, und vor allem mit seinem Team absprechen. Anders habt ihr keine Chance und werdet einfach überrannt. Wollt ihr alle 50 Wellen gar am Stück schaffen, müsst ihr etwa 3-4 Stunden einrechnen. Der Horde-Modus ist also nichts für zwischendurch. Zum Glück gibt es da den neuen Beast-Modus, welcher das Konzept auf den Kopf stellt. Ihr könnt euch euren lieblings-locust kaufen (sofern ihr das Geld habt) und müsst in möglichst kurzer Zeit die Menschen platt machen. Für jeden Abschuss gibt es Geld und Zeit gutgeschrieben. Insgesamt gibt es 12 Wellen, etwa 20-30 minuten dauern diese. Ideal für zwischendurch.

Der Multiplayer-Modus ist eine tolle Sache, vor allem für Koop-Freunde. Ob Beast oder Horde, beides ist enorm spaßig und sollte von euch ausprobiert werden. Dazu könnt ihr noch die gesamte Kampangne mit bis zu vier Freunden zocken. Wer gerne gesellig spielt, ist hier absolut richtig.

Für jedes gewonnene Match bekommt ihr Erfahrungspunkte, welche euch langsam in Stufen aufsteigen lassen, wodurch ihr neue Charaktere freischatet. Neue Waffen oder ähnliches gibt es aber nicht, auch Perks oder Ähnliches sucht ihr vergebens.

Fazit Fazit

Gears of War 3 ist grandios geworden. Der Story-Modus ist voller Action, genial spielbar und überraschend emotional. Für einen völlig überzogenen Action-titel aus dem Hause Epic gibt es überraschend viele gefühlvolle Momente, wobei das Game natürlich hauptsächlich Macho-Testosteron in seiner lustigsten Form ist. Die genialen und den Gegner verachtenden Sprüche passen ebenso wie die leicht sexistischen andeutungen, wobei nichts von dem ernst genommen werden will. Einige Fehler gibt es zwar, wie die schlechte deutsche Lokalisierung oder den netten, aber nicht besonderen VS-Modus. Das ändert aber nichts am Gesamteindruck: Gears of War 3 rockt, und zwar gewaltig.

+ Geniale Inszenierung
+ Grafik auf Referenz-Niveau
+ Tolle präsentation der Story mit einigen Gänsehaut-Momenten
+ Beast und Horde-Modus toll

- Deutsche Lokalisierung
- Wenig Neues

Wertung: 10

Testomat Erstellt über unseren Testomat von carstor (Team).