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Ratchet & Clank: All 4 One

Titel Ratchet & Clank: All 4 One

Seit etwas mehr als 9 Jahren und je nach Zählweise 7-10 Teilen begleiten uns der radikale Roboterrempler Ratchet und sein bester Freund der kleine Knüpelkasten Clank nun schon auf der Playstation. Das wohl sympathischste Dreamteam aller Zeiten wird erstmals ergänzt um bis zu 4 Spielern eine brandneue kooperative Spielerfahrung zu bieten. Und das ausgerechnet von dem tollpatschigen Captain Qwark der es inzwischen zum Präsidenten geschafft (und damit wohl G.W. Bush als Witzfigur #1 abgelöst) hat und niemand geringerem als dem fiesen Erzfeind Dr. Nefarious. Wie es dazu kommt erfährt der Spieler natürlich gleich zu Beginn in einer kurzen Sequenz. Natürlich ist es müßig in einem Universum mit tanzenden Robotern und Waffen die Roboter in Schweine verwandeln eine ernsthafte Erklärung zu erwarten. Also genießen wir den typischen Humor der die Reihe ausmacht und stürzen uns wahlweise online oder offline in die Mehrspielerstory.

Koop-Aktion “Swingshot” – Abgründe lassen sich oft nur so überqueren.

Eine Packung Eier bitte

Rechnet man die nicht von Insomniac entwickelten PSP-Ableger „Size Matters“ und „Secret Agent Clank“ sowie den hierzulande auch auf Blu-Ray erschienenen DLC „Quest for Booty“ mit ein, so ist „All 4 One“ bereits das zehnte Spiel des Ratchet & Clank Universums und muss sich daher natürlich mit seinen Vorgängern messen, allen voran dem großartigen „Crack in Time“.
Das mag vielleicht ein wenig unfair sein, da die vorherigen Teile allesamt auf nur einen Spieler ausgelegt waren, doch letzten Endes sind die Probleme zu gravierend über sie hinweg zu sehen. So erreicht „All 4 One“ zu keiner Zeit die grafische Qualität der anderen für die Playstation 3 erschienenen Abenteuer. Die Farben sind blass, die Welten sind detailärmer und selbst die Animationen wirken nicht ganz so geschmeidig. Nichtsdestotrotz sind die meisten Levels liebevoll gestaltet und das Spiel ist weit davon entfernt hässlich zu sein oder gar Wii-Verhältnisse zu bieten.
Das viel größere Ärgernis ist die feste Kamera die sich wie ein Haar durch die Suppe oder Angus T. Jones durch „Two and a Half Men“ durch das Spiel zieht. So lässt es die Kamera, obwohl oft nötig kaum zu, dass die Spieler sich weit voneinander entfernen. Auch das erforschen versteckter Ecken wird sofort unterbunden indem die Kamera nicht einmal zulässt, dass man sich diese überhaupt ansieht. Und so liegen die seltenen Hero Bolts meist einfach auf dem normalen Weg, beispielsweise neben einem Checkpoint. Überhaupt kommt das erforschen Fremder Welten viel zu kurz. Konnte man im direkten Vorgänger noch versteckte Ecken und damit Bolts oder andere Boni entdecken sowie im All viele kleine Planeten besuchen, so verkommt A4O zu einem linearen Dauerfeuer über zwei Hände voll Welten die einem allesamt bekannt vorkommen. Trotz des „All“ im Namen (ha ha) gibt es lediglich eine einzige und relativ grausam zu spielende Mission die in selbigem Spielt. Dabei wird ein Raumschiff durch ein Asteroidenfeld gelenkt und jeder Spieler darf es in eine Richtung zerren.
Dass die Story total belanglos ist und eigentlich nur einen Rahmen bietet ist zwar eigentlich in einem R&C Spiel kein großes Problem, doch würde man sich gerade mit dem ungewöhnlichen Zuwachs doch mehr Erklärungen wünschen. Der Humor allerdings bleibt zu großen Teilen erhalten. Freut euch auf einige witzige Situationen allen voran mit Qwark und Nefarious die, selbst wenn man zu zweit mit Ratchet und Clank spielt, in den Zwischensequenzen natürlich wie durch ein Wunder wieder auftauchen obwohl sie ansonsten nicht dabei sind. Fehlende Spieler werden NICHT durch die KI übernommen. Sämtliche Stellen an denen Kooperation angesagt ist sind auch auf 2 Spieler ausgelegt (und natürlich auch auf einen) was diese allerdings fast schon ad absurdum führt. Was hätte es für Möglichkeiten gegeben Zusammenarbeit noch größer zu schreiben als dies schon in unserer Rechtschreibung der Fall ist. Diese Chance wurde aber grandios versiebt. Kooperation wird zwar beim Betätigen von Schaltern oder dem Überwinden von Abgründen benötigt, wird aber schnell zur Routine. Bei den Waffen besteht der Einzige Bonus gar darin, mehr Schaden zu machen wenn alle Spieler die gleiche Waffe benutzen. Und trotzdem kommen wir hier zu einem Pluspunkt.

Einer von mehreren Jetpack-Abschnitten.

RATATATATATATATATATATA

Nämlich dem Waffenarsenal, denn das ist nach wie vor klasse. Zwar ist das Spiel auch hier den Vorgängern unterlegen, doch ist es nach wie vor amüsant Feinde in Kapitalisten Schweine zu verwandeln oder einzufrieren. Außerdem gibt es neben den Standardwaffen wie dem Combuster (eine Art Strahlenpistole) und dem Warmonger (Raketenwerfer) noch eine Strompeitsche die Feinde lähmt, Faustwaffen mit denen man ganze Gegnerhorden stürmen kann sowie ein Gerät um Gewitter zu verschießen, einen Flammenwerfer, einen Plasmagranatenwerfer und noch einige andere. Jedem Helden steht auch noch eine individuelle Waffe zur Verfügung. So kann Clank die Zeit für Feinde verlangsamen und Ratchet einen Dummy zur Ablenkung aufstellen. All diese Waffen lassen sich an diversen Stationen in den Bereichen Munition und Power aufrüsten nur um im finalen dritten Upgrade den ultimativen Zerstörer zu erschaffen. Leider erfordert das Spiel keinerlei taktischen Einsatz der Waffen. Das Maximum an Teamplay erfüllt man in der Regel wenn alle Helden mit dem gleichen Schießeisen den Feuerknopf vergewaltigen. Mr. Zirkon ist auch wieder dabei, kann aber niemals darüber hinwegtrösten, dass das Groovitron fehlt!
Neben dem Waffenarsenal müssen auch noch 3 Gadgets benutzt werden. Ein Presslufthammer um diverse instabile Böden zu zerstören, ein Glibberdings mit dem man Objekte beschießt um diese nach unten zu ziehen und ein Schild gegen Strahlen. Die Auswahl im Waffen- und Gadgetmenü ist allerdings umständlich und im Eifer des Gefechts nicht flüssig zu managen. Nur wenn alle zusammen die Auswahl aufrufen hält das Spiel kurz inne. Letzten Endes ist es einfach kein Spass für einen unnötig platzierten brüchigen Boden fummelig den Presslufthammer herauszuholen um weiter im Level voranzuschreiten. Ansonsten geht die Steuerung aber gewohnt gut von der Hand.

Viele Gegner, gefährlich durch fehlende Übersicht.

Fazit Fazit

Wir dürfen uns nicht falsch verstehen lieber Leser. „Ratchet & Clank: All 4 One“, ob mit oder ohne Doppelpunkt im Titel, ist ein wirklich gutes Spiel und auch ein gutes Ratchet & Clank. Aber eben kein außergewöhnliches oder, um es schulkompatibel zu machen, kein sehr gutes. Es ist nach wie vor ein buntes, sympathisches und witziges Abenteuer mit unseren Lieblingen Ratchet und Clank sowie dem tapferen Captain Qwark und Dr. Nefarious, wobei vor allem Letztere für viel Schmunzeln sorgen. Aber selbst wenn man als großer R&C Fan wie ich einer bin darüber hinwegsehen kann, dass man eigentlich im Kern wieder das Gleiche in grün bekommt. Zumal es eher ein verblasstes Grün ist, da es weder grafisch noch spielerisch mit „A Crack in Time“ mithalten kann. Es fehlen die tollen Rätsel mit dem Zeitzepter, das Groovitron, taktische Kämpfe, die Arena, wirkliche Teamplayaktionen und das freie Erkunden der Galaxie. Dazu kommt die grausige Kamera und die relativ belanglose Story. Was bleibt ist ein durchschnittliches Koop-Action-Adventure (Oder vielmehr Jump n‘ Shoot) mit sympathischen Helden und gewohntem Humor ohne den Esprit des direkten Vorgängers. So viel verschenktes Potential bekommen sonst nur Mathelehrer zu Weihnachten. Versteht ihr? Haha!
Und so kann ich „All 4 One“ nur Fans der Serie empfehlen die sowieso jede Minute mit ihren Lieblingen so kostbar finden wie Nathan Drake einen Tropfen Wasser auf der Suche nach dem Atlantis der Wüste. Neulingen rate ich zuerst die anderen Teile zu spielen oder auf einen günstigen Preis zu warten.

Pro Kontra
Ratchet & Clank!
Originelle Waffenauswahl… …ohne Groovitron
Ordentliche Grafik… …aber ein Rückschritt
Bis zu 4 Spieler online oder offline… …die bei mehr als 2 für Chaos auf dem Bildschirm sorgen
Kaum echtes Teamplay oder Taktik nötig
Typischer Humor
Keine Erkundung
Aufrüstbare Waffen
Keine Rätsel
Keine Arenen
Viele Gegnertypen
Etwas eintönig
Belanglose Story
Gute Steuerung… …aber umständlicher Waffenwechsel

Ratchet & Clank: All 4 One für die Playstation 3

Wertung: 7

Testomat Vielen Dank an dieser Stelle an Sony Computer Entertainment Deutschland, welche uns freundlicherweise das Testexemplar zur Verfügung gestellt haben!

Testomat Erstellt über unseren Testomat von Wonne.