Testomat

Castlevania: Lords of Shadow

Titel Castlevania: Lords of Shadow

Castlevania ist wohl jedem älteren Zocker schon seit den Videospielanfängen ein Begriff. Die von Konami entwickelte Serie rund um den Belmont-Clan und andere Vampirjäger existiert bereits seit 1987 und hat auf nahezu jeder bedeutenden Plattform einen oder mehrere Ableger bekommen. Der aktuelle Teil Lords of Shadow ist ein von Konami und Mercury Steam zusammen entwickeltes Spiel und ob diese Zusammenarbeit dem Projekt nicht sonderlich gut bekam, oder woran es liegt, dass es seinen ruhmreichen Wurzeln nicht gerecht wird lässt sich nicht genau sagen. In diesem Test, der sich übrigens um die PS3-Version dreht, erfahrt ihr zumindest wieso ich dem Spiel kritisch gegenüber stehe.

Story und Spielewelt Story und Spielewelt

Wie so oft dreht sich die Geschichte natürlich mal wieder um Vampire. Genauer gesagt kann Lords of Shadow als eine Art Neuanfang der Serie gesehen werden, in der alles aus einer anderen Perspektive beleuchtet wird. Gabriel Belmont wird im düsteren Mittelalter des Jahres 1075 als Kind vor den Pforten eines Klosters ausgesetzt. Nicht irgendeinem Kloster. Die Bruderschaft des Lichts führt dieses Anwesen und nehmen ihn auf. Als dann tragischerweise Gabriels geliebte Marie stirbt und die Welt im Chaos zu versinken droht muss er mit Hilfe der Bruderschaft die Schattenfürsten besiegen und das Gleichgewicht wieder herstellen.

Gameplay Gameplay

Auf der Suche nach den bösen Schattenfürsten begegnen euch natürlich unzählige Dämonen, Vampire, Werwölfe und anderes Gesocks, das es mittels diverser Waffen und Magie zu erledigen gilt. Schwerpunkt hierbei wird natürlich serientypisch auf die Peitsche gelegt. Diese kann mit besonderen Fähigkeiten aufgestuft werden, wenn man seltene Truhen findet und sie mit Erfahrungspunkten erweitert. Erfahrungspunkte werden von Gegnern in unterschiedlicher Höhe hinterlassen.

Kommen wir zum ersten, meiner Meinung nach auch größten, Kritikpunkt. Konami und Mercury Steam kamen zu dem abenteuerlichen Entschluss, aus Castlevania ein Hack’n Slay zu machen. Ums kurz zu machen: Es war nicht die beste Idee. Problem ist auf der einen Seite einfach, dass man Castlevania überhaupt nicht mit dieser Gameplay-Mechanik verbindet und zum zweiten, dass dies noch nichtmal so funktioniert wie man es sich wünschen könnte.

Die Steuerung ist hakelig und ungenau. Man hat selten das Gefühl, Gabriel richtig gut kontrollieren zu können. Besonders bei einigen Kletterpassagen fällt das schon sehr auf, wenn man sich schnell von Vorsprung zu Vorsprung schwingen muss und die Peitsche nicht so will wie man gern würde. Gegner haben teilweise Attacken drauf, denen man nur ausweichen kann, wenn man sich zuvor zufällig zur richtigen Seite gerollt hat. Das haben andere Genrevertreter wie Dantes Inferno oder God of War 3 eleganter hinbekommen. Als wenn das noch nicht genug des Übels wäre wird auch noch das letzte Quentchen Dynamik durch Quick Time Events zerrissen.

Einige Rätsel versuchen den ganzen Ablauf zwischendurch etwas aufzulockern, scheitern aber entweder an ihrer fast schon lächerlichen Einfältigkeit oder sind so nervig, dass man sie einfach übergehen will, was glücklicherweise möglich ist.

Technik Technik

Wo Schatten ist, da ist auch Licht. Um den bekannten Spruch mal umzudrehen. Technisch macht Castlevania: Lords of Shadow nämlich eine umso bessere Figur. Zum Teil wunderschöne Kulissen und schleimig schöne Monstermodelle können genauso begeistern wie das Aussehen der Haupt- und Nebencharaktere mit ihrer äußerst detailierten Kleidung. Sehr sauberer Job seitens der Entwickler. Einziges kleines Manko ist die nicht drehbare Kamera. Das hat manchmal zur Folge, dass man Abzweigungen schlicht übersieht. Ist aber in diesem Genre nicht unüblich und von daher darf man das nicht zu hart nehmen.

Die Musik ist auch gelungen, wenn auch nicht mehr der Ohrwurmcharakter mancher älteren Teile dabei ist. Es passt zum Spiel und ist großartig komponiert. Auch die englische Vertonung mit dem prominenten Synchronsprecher Patrick Stewart ist exzellent gelungen.

Mehrspielermodus Mehrspielermodus

Ich missbrauche den Multiplayer-Bereich einfach mal, um noch ein paar kurze Worte zum angebotenen DLC zu verlieren. Die Zusatzinhalte Reverie und Resurrection erzählen die Geschichte noch weiter. Sie sind im deutschen PSN bzw. Xbox Live für je 7,99 €/800 MS Punkte erhältlich. Spart euch den Kauf wenn ihr nicht gerade masochistisch veranlagt seid. Es bleibt wohl für immer ein Rätsel was Konami hier geritten hat, aber beide Inhalte bestehen aus extrem kurzen und völlig vermurksten Abschnitten. Rätsel, bei denen ihr denkt ob sie sich ein Praktikant mal eben in der Frühstückspause ausgedacht hat, gepaart mit nervigen bis unfairen Kämpfen bzw. Klettereinlagen. Klare Abzocke in meinen Augen. Der Fairness halber beziehe ich den DLC natürlich nicht mit in die Bewertung ein, da man es ja genauso gut auch auslassen kann und auch sollte.

Fazit Fazit

Zum Abschluss bleibt die Frage aller Fragen nach dem Warum. Warum hat sich Konami nicht auf altbewährtes verlassen und hat sich wieder in ein 3D-Szenario gewagt? Wieso hat man bei der Steuerung so dermaßen geschlampt? Wer Castlevania von früher kennt und die 2D-Episoden gespielt hat, der weiß, dass es gerade seinen Reiz aus den gut gemachten Geschicklichkeitspassagen zieht in Verbindung mit einer Steuerung, die pixelgenaue Sprünge erlaubt. Dass es auch schon bessere Rätsel gab beweisen z.B. die grandiosen DS-Ableger. Hätte man sich daran orientiert wäre Castlevania: Lords of Shadow sicherlich ein Kracher geworden. So aber reicht es “nur” noch zu einem guten Spiel wie viele andere und ihr könnt mir glauben die 7 vergebe ich wirklich großzügig. Technik und Sounduntermalung stimmen und auch der Story kann man nichts anlasten. Da Gameplay aber nunmal der entscheidende Faktor in einem Spiel ist, verpasst es in diesem Fall die oberen Spitzenplätze.

Die Stärken und Schwächen nochmal im ÜBerblick:

Pro:

+ Grafisch sehr beeindruckend
+ Sehr gute Vertonung
+ Düstere und stimmige Atmosphäre

Contra:

- Fühlt sich nicht wie ein Castlevania an
- Ungenaue Steuerung
- Langweilige Rätsel
- Lästige und häufige Quick Time Events
- Teils unübersichtlich wegen nicht frei drehbarer Kamera

Wertung: 7

Testomat Erstellt über unseren Testomat von Das_Fred.